Das Rigg ist das Rückgrat der Segelyacht. Ein Versagen kann unter Segel zu einer gefährlichen Situation führen — ein gebrochener Want unter Last, ein geborstener Mast. Wer vor der Saison gründlich prüft, schläft in der Nacht vor dem Törn deutlich ruhiger.
Die Sichtprüfung — der wichtigste Schritt
Mindestens einmal pro Saison — am besten vor dem ersten Törn — sollte das Rigg gründlich geprüft werden. Was dabei wichtig ist:
- Wanten, Stage und Stag: Jede Leine abtasten, auf Risse achten, besonders an den Terminals und Übergängen
- Wanten-Terminals: Auf Korrosion an den Presshülsen achten — die sind oft die schwächsten Punkte
- Bolzen und Splinte: Alle Bolzen am Rigg prüfen, Splinte sitzen fest? Kein Rost?
- Mast: Auf Risse, Dellen, Korrosion prüfen — besonders an den Salingen
- Fallenführungen: Die Rollen und Umlenkungen müssen leichtgängig sein
- Rollanlage: Bei Rollreffanlagen das Profil auf Verschleiß prüfen
Die Wantenspannung prüfen
Die Wantenspannung ist entscheidend für die Sicherheit und die Segeleigenschaften:
- Zu lose: Der Mast arbeitet zu viel, das Segel verliert seine Form
- Zu straff: Der Mast kann beschädigt werden, das Material ermüdet schneller
Die richtige Spannung steht im Handbuch der Yacht. Messen kannst du sie mit einem Wantenspanner oder mit der Lovell-Methode.
Der Mast von oben bis unten
Die Inspektion sollte systematisch von oben nach unten erfolgen:
- Masttop und Antennen
- Salinge und Wantenanschlüsse
- Fallenführungen am Mast
- Rollanlage (falls vorhanden)
- Mastschiene mit Schlitten und Wagen
- Salonleuchten und Kabel
- Mastfuß und Süll
Wer diese Reihenfolge befolgt, vergisst nichts.
Wann zum Profi?
Es gibt Situationen, in denen das Rigg von einem Fachmann geprüft werden muss:
- Nach einem Sturm oder einer Kollision
- Bei Verdacht auf Mastbruch oder verdeckte Schäden
- Vor einer längeren Reise
- Bei Yachten über 15 Jahre
- Bei Verdacht auf Materialermüdung
Ein Rigger kann mit einer Lastmessung die strukturelle Integrität prüfen. Die Kosten liegen zwischen 200 und 500 Euro — eine lohnende Investition in die Sicherheit.
Die richtige Werkzeugausstattung
Was für den Rigg-Check gebraucht wird:
- Gute Stirnlampe oder Baustrahler
- Fernglas für höhere Bereiche
- Wantenspanner für die Justierung
- Schraubendreher und passende Ringschlüssel
- Edelstahl-Splinte und Sicherungsmaterial
- Multimeter für die Elektrik im Mast
Mit dieser Ausstattung kannst du die meisten Probleme selbst erkennen und beheben.
Die elektrische Anlage im Mast
Der Mast enthält eine komplexe Verkabelung:
- Topplaterne und Ankerlaterne
- Positionslampen
- Antennen für Funk und AIS
- Windmesser
- Heizung für die Vereisung
Alle Kabel und Steckverbindungen prüfen — Korrosion ist hier ein häufiges Problem. Beschädigte Kabel sofort ersetzen, marode Stecker reinigen oder ersetzen.
Die Dokumentation
Notiere dir den Zustand des Rigg vor und nach der Saison. Fotos mit Datumsangabe sind eine gute Dokumentation. Bei einem Schaden kannst du damit dem Versicherer den Wartungszustand belegen.
Die saisonalen Besonderheiten
Nach dem Winterlager alle Schrauben nachziehen. Durch Temperatureinflüsse und Vibrationen lockern sich die Befestigungen. Also: Wanten, Achterstag, Vorstag — alle nachjustieren.
Vor der Einwinterung die Wanten leicht entspannen — sie dehnen sich bei Kälte anders als bei Wärme. Das schont das Material.
Fazit
Ein gründlicher Rigg-Check dauert zwei bis drei Stunden und kostet nichts außer Zeit. Die Investition lohnt sich: Wer rechtzeitig Probleme erkennt, kann sie vor dem nächsten Törn beheben — und nicht erst, wenn es zu spät ist.
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Die Inspektion des Vorsegels
Das Vorstag und die Genua-Rollanlage verdienen besondere Aufmerksamkeit:
- Vorstag: Auf Spannung prüfen, Korrosion an den Terminals kontrollieren
- Rollreffanlage: Leichtgängigkeit prüfen, das Profil auf Verschleiß kontrollieren
- Schienen: Die Schienen für die Vorsegel-Schlitten reinigen und fetten
- Schlitten: Auf Leichtgängigkeit prüfen, ggf. die Kugellager ersetzen
Eine klemmende Rollanlage kann im Hafen zu einer echten Notlage werden — die Genua lässt sich nicht mehr setzen oder bergen.
Die Kontrolle der Wantenschlösser
Die Wantenschlösser (Spanner) sind hoch belastete Komponenten. Was zu prüfen ist:
- Die Kontermuttern auf festen Sitz prüfen
- Die Gewinde auf Beschädigungen prüfen
- Die Bolzen auf Rost und Verschleiß prüfen
- Die Augbolzen auf Risse prüfen
Defekte Wantenschlösser sind die häufigste Ursache für Wanten-Bruch. Wer sie regelmäßig prüft, kann Probleme frühzeitig erkennen.
Zusätzliche Tipps aus der Praxis
Was im Alltag zusätzlich hilft: Eine kleine Checkliste vor jedem Törn durchgehen, mit Foto dokumentieren, im Logbuch notieren. So behältst du den Überblick über Wartungsarbeiten und Reparaturen — und kannst im Zweifel dem Versicherer oder der Werkstatt den Pflegezustand belegen.
Außerdem: Tausch von Verschleißteilen im Zweifel lieber früher als später. Wer zu lange wartet, riskiert Folgeschäden, die ein Vielfaches kosten.
Die Dokumentation
Führe ein kleines Logbuch — digital oder handschriftlich. Notiere Datum, was gemacht wurde, welche Teile getauscht wurden. So weißt du in der nächsten Saison genau, was zu tun ist.
Die richtige Vorbereitung
Eine gründliche Vorbereitung ist die halbe Miete. Was du brauchst: das richtige Werkzeug, das passende Material, und vor allem Zeit. Wer unter Zeitdruck arbeitet, macht Fehler — und Fehler bei der Wartung können teuer werden.