Segelguide

OpenPlotter: der günstige Bordcomputer für dein Boot

Platon ·

Wer mit dem Boot unterwegs ist, kommt ohne zuverlässige Navigation nicht weit. Kartenplotter kosten bei den großen Herstellern schnell mehrere tausend Euro — dabei reicht ein Raspberry Pi mit der kostenlosen OpenPlotter-Software, um dein Boot genauso präzise zu navigieren. Dieser Beitrag zeigt dir, wie du aus einem Pi deinen eigenen, maritim tauglichen Bordcomputer baust — und das für unter 200 Euro.

Marine-Ink Illustration

Was ist OpenPlotter?

OpenPlotter ist ein Open-Source-Projekt, das deinen Raspberry Pi in einen vollwertigen Marine-Bordcomputer verwandelt. Die Software läuft auf einem eigenen Linux-Image mit allen maritimen Tools vorinstalliert: Signal K für die Datenverarbeitung von NMEA-2000-Geräten, OpenCPN als Kartenplotter, AvNav für mobile Ansichten und vieles mehr.

  • NMEA-0183 / NMEA-2000 fähig (AIS, GPS, Tiefenmesser, Wind, Logge)
  • Seekarten raster + vektor (iCharts, ENC)
  • Anschlüsse für AIS-Receiver, GPS-Maus, Windmesser
  • Tablet/Phone als Remote-Display via VNC oder dedizierte Apps
  • Open Source — keine Lizenzkosten, keine Cloud-Pflicht

Was du brauchst

Die Hardware-Liste ist überschaubar:

  • Raspberry Pi 4 oder 5 (ca. 60–80 €) — Rechenkern, genug Leistung für Kartenrendern
  • Offizielle 7″-Touchscreen (ca. 70–90 €) — direkte Bedienung am Kartentisch
  • GPS-Maus (z. B. VK-162 mit USB, ca. 15 €) — liefert Position + Zeit
  • AIS-Receiver (z. B. dAISy+, ca. 70 €) — wenn du Schiffsverkehr sehen willst
  • SD-Karte 32 GB A2 (ca. 10 €) — System + Karten
  • USB-Hub mit eigener Stromversorgung — Versorgung über 12-V-Bordnetz

Insgesamt landest du bei rund 200–250 Euro Komplettkosten — günstiger als ein einfacher Kartenplotter der etablierten Hersteller, dafür mit beliebig erweiterbaren Funktionen.

Installation

Die Einrichtung ist überraschend einfach:

  1. OpenPlotter-Image von openplotter.io herunterladen und via Raspberry Pi Imager auf die SD-Karte flashen
  2. Pi zum ersten Mal starten — WLAN wird automatisch als Access Point aufgespannt („OpenPlotter“)
  3. Vom Laptop/Tablet mit dem WLAN verbinden, im Browser 10.42.0.1 aufrufen
  4. Im Setup-Wizard NMEA-Quellen (GPS, AIS, etc.) hinzufügen
  5. Seekarten importieren (iCharts-Repo kostenlos, ENC kostenpflichtig via z. B. ChartWorld)
  6. Optional: AvNav auf dem Tablet installieren, Pi als WLAN-Hotspot für unter Deck nutzen

Anbindung ans Boot

Die Verbindung zur Bordelektronik läuft typischerweise über NMEA-2000 (CAN-Bus) oder NMEA-0183 (seriell). Für die Anbindung ans 12-V-Bordnetz brauchst du entweder ein offizielles Raspberry-Pi-Netzteil mit 12-V-Adapter oder einen DC-DC-Wandler (5 V / 3 A). Achte auf eine saubere Masseverbindung — sonst rauscht dein GPS-Signal.

Tipp: Verbinde den Pi über eine Sicherung mit eigener Absicherung direkt an die Bootsbatterie, nicht über eine verteilte Steckdose. So vermeidest du ungewollte Reset-Schleifen bei Spannungseinbrüchen.

OpenPlotter im Einsatz

Auf dem Wasser läuft das Setup bei mir sehr stabil. Der Touchscreen reagiert auch mit nassen Fingern (kein Witz), und AvNav spiegelt die Darstellung auf das Tablet — Seglerin und Navigator sehen synchron dasselbe. AIS-Ziele werden zuverlässig erkannt, sobald der dAISy+ Empfänger warmgelaufen ist (ca. 30 Sekunden nach Power-Up).

Was ich im Alltag schätze: die Möglichkeit, beliebige Plugins nachzuinstallieren. Letztes Wochenende habe ich ein eigenes Tool für Logbuch-Einträge mit Sprachsteuerung geschrieben — auf einem kommerziellen Plotter wäre das nicht gegangen. OpenPlotter ist Bastler-freundlich, ohne in Bastler-Hölle abzudriften.

Marine-Ink Illustration

Wartung & Backups

Zwei Pflichten, die du nicht vergessen solltest:

  • Backups: Das komplette OpenPlotter-Image regelmäßig per pishrink auf eine zweite SD-Karte klonen. Kostet fast nichts, rettet aber bei Ausfall den Tag.
  • Updates: Vor dem Saisonstart das System per sudo apt update && sudo apt upgrade auf Stand bringen. Karten-Updates laufen über das OpenCPN-Plugin automatisch.

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Fazit

Ein Eigenbau-Bordcomputer auf OpenPlotter-Basis ist kein Spielzeug — er ist eine ernstzunehmende Alternative zu kommerziellen Plottern. Wer schon mit einem Raspberry Pi umgehen kann, hat das System an einem Wochenende inklusive Seekarten einsatzbereit auf dem Kartentisch. Und wer Basteln spannend findet, kann das System über Monate weiter ausbauen — Logbuch, MOB-Alarm, Segel-Performance-Analyse. Alles offen, alles Open Source.

Preis-Leistungs-Verhältnis: unschlagbar. Wer es einmal ausprobiert hat, geht meistens nicht mehr zurück zu proprietären Geräten für 2000 Euro aufwärts.

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