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OpenPlotter: Der günstige Bordcomputer für dein Boot

Platon ·

Die meisten Segelyachten haben heute einen oder mehrere Plotter, dazu Windanzeige, Echolot, GPS und manchmal einen Autopiloten. Das Problem: Jedes Gerat spricht sein eigenes Protokoll, zeigt seine eigenen Daten und lasst sich nicht ohne Weiteres erweitern. OpenPlotter schafft Abhilfe – und kostet dabei einen Bruchteil dessen, was kommerzielle Systeme verlangen.

Dieser Beitrag erklart, was OpenPlotter ist, welche Hardware du brauchst und wie du in etwa zwei Stunden einen eigenen Bordcomputer aufbaust.

Was ist OpenPlotter?

OpenPlotter ist eine kostenlose Open-Source-Software, die aus einem handelsublichen Raspberry Pi einen zentralen Marine-Elektronik-Hub macht. Entwickelt und gepflegt wird das Projekt von der OpenMarine-Community unter Leitung von Sailoog.

Im Kern lauft auf dem System der sogenannte Signal K Server – ein universelles Datenformat, das NMEA 2000, NMEA 0183, AIS, GPS und eigene Sensoren zusammenfuhrt und uber WiFi an beliebige Endgerate verteilt: Tablet, Smartphone, alter Laptop, was auch immer du gerade an Bord hast.

OpenPlotter 4 – die aktuelle Version von 2024/2025 – bringt einen installerbasierten Ansatz mit, der die Einrichtung deutlich vereinfacht hat.

Was du brauchst

Raspberry Pi 4 oder 5. Der Pi 4 mit 4 GB RAM reicht fur die meisten Anwendungen völlig aus. Wer mit OpenCPN als Kartenplotter arbeiten will, fahrt mit dem Pi 5 + 8 GB besser. Dazu eine schnelle microSD-Karte (32 GB, Class 10 oder besser) und ein stabiles 5V/3A-Netzteil.

Fur die Anbindung an den NMEA-2000-Bus deines Boots brauchst du einen Erweiterungs-HAT:

  • MacArthur HAT (~60 EUR uber shop.openmarine.net): Unterstutzt sowohl NMEA 2000 (CAN-Bus) als auch NMEA 0183 (RS422), hat einen 12V-Eingang fur die Bordbatterie und wird von OpenPlotter nativ unterstutzt.
  • CAN-Bus HAT (~12 EUR): Die günstige Variante fur reinen NMEA-2000-Zugang. Fur NMEA 0183 brauchst du zusaetzlich einen USB-RS422-Adapter.

Alternativ ein Actisense NMEA 2000 zu USB-Wandler (~120 EUR) – damit kriegst du NMEA-2000-Daten in jeden Raspberry Pi, ohne HAT, ohne Lóten.

Software: OpenPlotter 4 installieren

  1. Raspberry Pi OS Lite auf die SD-Karte flashen (Raspberry Pi Imager)
  2. SSH und SPI in raspi-config aktivieren
  3. Das Installationsskript ausfuhren: wget -O - https://raw.githubusercontent.com/openplotter/openplotter-installer/master/openplotter_installer.sh | bash
  4. Nach dem Neustart: OpenPlotter Settings offnen, WLAN als Hotspot konfigurieren
  5. Im Signal K Web-Interface (Port 3000) die Datenverbindung zum NMEA-2000-Bus einrichten

Was OpenPlotter kann

  • Zentrales Dashboard: Signal K zeigt alle Bootsdaten in einem Web-Dashboard – Geschwindigkeit, Position, Wind, Batterispannung.
  • Kartenplotter: OpenCPN lasst sich direkt aus OpenPlotter heraus installieren und zeigt Seekarten inklusive AIS-Ziele.
  • AIS-Empfang: USB-AIS-Empfanger oder dAISy-HAT anschliessen – CPA-Alarme und Schiffsnamen inklusive.
  • IoB (Internet of Boats): Per MQTT Daten an Home-Server senden oder automatische Alarme per Telegram bei Batterie-Unterspannung, Bilgen-Alarm oder was auch immer.
  • Autopilot: pypilot lasst sich aus OpenPlotter ansteuern – fur unter 100 EUR addon.

Erfahrungen und Einschrankungen

OpenPlotter ist kein plug-and-play-System. Die Einrichtung erfordert etwas Bastelerfahrung und die Bereitschaft, sich in Netzwerkkonfiguration und Datenprotokolle einzuarbeiten. Wer damit klarkommt, wird mit einem System belohnt, das mit kommerziellen Losungen locker mithalt – und das bei einem Bruchteil des Preises.

Die Community auf forum.openmarine.net ist aktiv und hilfreich. Wer auf Deutsch lesen mochte, findet auf open-boat-projects.org detaillierte Projektberichte, auch zur Kombination mit PiCAN-M-HAT und NMEA 2000.

Für wen lohnt es sich?

OpenPlotter ist ideal für Segler, die ihre Elektronikdaten zentralisieren wollen, einen Zweit-Plotter für wenig Geld bauen mochten oder bewusst auf offene Standards statt auf proprietare Ökosysteme setzen wollen. Für eine sofort einsatzbereite Losung ohne Konfigurationsaufwand ist ein kommerzielles System wie Raymarine oder Garmin die bessere Wahl. Wer aber bereit ist zu basteln, wird belohnt.

Was OpenPlotter kann

OpenPlotter ist ein Open-Source-Projekt, das auf einem Raspberry Pi läuft und alle wichtigen Bordsysteme zusammenführt. Was du damit machen kannst:

  • GPS-Daten empfangen und anzeigen
  • AIS-Signale empfangen und darstellen
  • NMEA 2000-Daten lesen und anzeigen
  • Wetterdaten abrufen und darstellen
  • WLAN für Tablets und Smartphones bereitstellen
  • Eigene Sensoren einbinden (Temperatur, Tankfüllung, Batteriezustand)
  • Logbuch führen

Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt — und weil OpenPlotter Open Source ist, kannst du eigene Erweiterungen programmieren.

Was du dafür brauchst

Die Grundausstattung:

  • Raspberry Pi 4 oder 5 (etwa 60 Euro)
  • SD-Karte mit 32 GB oder mehr (15 Euro)
  • GPS-Empfänger (USB, etwa 30 Euro)
  • AIS-Empfänger (USB, etwa 80 Euro)
  • Optional: NMEA 2000-Gateway (etwa 200 Euro)
  • Optional: Bildschirm für die Darstellung

Die Gesamtinvestition liegt zwischen 100 Euro (Grundversion) und 500 Euro (mit allen Erweiterungen). Verglichen mit kommerziellen Marine-Computern (1.000 bis 3.000 Euro) ist das ein Schnäppchen.

Die Installation

Die Installation von OpenPlotter ist auch für Anfänger machbar. Das System kommt als fertiges Image für die SD-Karte. Du brauchst:

  • Einen Computer zum Schreiben der SD-Karte
  • Einen Bildschirm mit HDMI-Anschluss für die Erstinstallation
  • Eine USB-Tastatur und -Maus

Nach der Installation läuft das System weitgehend automatisch. Die Konfiguration erfolgt über ein Web-Interface, das du von jedem Gerät im Bord-WLAN aufrufen kannst.

Die Apps, die OpenPlotter ergänzen

Auf dem Tablet oder Smartphone sind diese Apps sinnvoll:

  • OpenCPN: Der kostenlose Kartenplotter für PC und Tablet
  • SignalK: Die offene Plattform für Marine-Daten
  • WilhelmSK: Die App für AIS und Schiffsverfolgung
  • AvNav: Eine mobile Navigations-App für OpenPlotter-Daten

Mit dieser Kombination hast du ein vollständiges Navigationssystem, das mit kommerziellen Lösungen mithält — und dabei deutlich günstiger ist.

Wann OpenPlotter die richtige Wahl ist

OpenPlotter ist ideal für Bastler und technisch Interessierte, die ihr Bordsystem selbst zusammenstellen wollen. Wer eine fertige Lösung sucht, ist mit kommerziellen Systemen (Raymarine, B&G, Garmin) besser bedient.

Mein Tipp: OpenPlotter als Zweitsystem aufbauen, parallel zur kommerziellen Elektronik. So hast du ein Backup, falls die Hauptanlage ausfällt — und kannst OpenPlotter in Ruhe kennenlernen.

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