
Schoten und Fallen sind das Herz eines jeden Segel-Systems. Ohne funktionstüchtiges Tauwerk geht buchstäblich nichts an Bord. Mit der richtigen Pflege verlängerst du die Lebensdauer erheblich und vermeidest böse Überraschungen mitten auf dem Törn. Ob du eine kleine Daysailer oder eine große Yacht fährst – die Grundsätze der Tauwerkpflege sind immer dieselben.
Warum ist die Pflege von Schoten wichtig?
Segeltauwerk ist täglich widrigen Bedingungen ausgesetzt: Salzwasser, UV-Strahlung, Reibung an Blöcken und Winschen sowie mechanische Belastung durch Winddruck. Ein vernachlässigtes Tauwerk wird brüchig, verliert an Festigkeit und kann im worst case sogar reißen – mit fatalen Folgen für Segel, Boot und Crew.
Die regelmäßige Wartung deiner Schoten und Fallen kostet zwar etwas Zeit, spart aber langfristig erhebliche Kosten für Neukauf und bewahrt dich vor gefährlichen Situationen unter Segeln. Ein gerissenes Fallenstag während eines Sturms kann fatale Folgen haben – Prävention ist daher die beste Strategie.
Die verschiedenen Tauwerktypen
Moderne Segelboote verwenden verschiedene Materialien für Tauwerk, die jeweils eigene Pflegeansprüche haben:
Dyneema / Spectra: Diese modernen Hochleistungsfasern sind extrem leicht und reibungsarm. Sie benötigen weniger Wartung als klassisches Tauwerk, sollten aber trotzdem regelmäßig auf Beschädigungen geprüft werden. Ein großer Vorteil: Dyneema nimmt kaum Wasser auf und ist daher besonders pflegeleicht. Trotzdem solltest du die Fasern auf Druckstellen und Scheuerstellen kontrollieren.
Polyester (Dacron): Der Klassiker, robust und günstig. Polyester-Tauwerk ist unempfindlich gegen UV-Strahlung und Salzwasser, sollte aber regelmäßig gereinigt und auf Scheuerstellen kontrolliert werden. Nach mehreren Jahren wird Polyester-Tauwerk spröde – dann ist Zeit für einen Austausch.
Aramid (Kevlar): Sehr fest und hitzebeständig, aber empfindlich gegen UV-Licht. Aramid-Tauwerk sollte vor Sonneneinstrahlung geschützt gelagert werden. Die Lebensdauer ist kürzer als bei anderen Materialien, dafür bietet es maximale Festigkeit bei minimalem Durchmesser.
Herkömmliches Tauwerk: Naturfasern wie Hanf sind heute selten geworden. Sie sind ökologisch, aber pflegeintensiver und anfälliger für Fäulnis. Wer Naturfasern verwendet, muss besonders auf Trockenheit achten.
Die richtige Reinigung
Nach jedem Segeltörn solltest du das Tauwerk mit frischem Süßwasser abspülen. Salzreste wirken wie ein Schmirgel und beschleunigen den Verschleiß der Fasern erheblich. Lass das Tauwerk anschließend an der Luft trocknen, bevor du es verstaut – niemals nass einlagern, das fördert Schimmelbildung und Faserschäden.
Bei starker Verschmutzung hilft eine milde Seifenlauge und eine weiche Bürste. Aggressive Reinigungsmittel oder Hochdruckreiniger solltest du unbedingt vermeiden, da sie die Fasern angreifen können. Auch das Auskochen von Tauwerk ist nicht mehr empfehlenswert – die Hitze schwächt die Fasern.
Für besonders empfindliche Fasern wie Dyneema genügt meist ein kurzes Abspülen mit klarem Wasser. Hartnäckige Flecken lassen sich mit Isopropylalkohol entfernen – aber immer vorher an einer unauffälligen Stelle testen.
UV-Schutz und Lagerung
UV-Strahlung ist einer der größten Feinde von Tauwerk. Achte darauf, dass Fallen und Schoten im Hafen möglichst trocken und dunkel gelagert werden. Viele Segler nutzen dafür spezielle Tauwerktaschen oder -säcke aus atmungsaktivem Material. Diese schützen nicht nur vor UV-Licht, sondern auch vor Staub und Schmutz.
Im Winter lohnt es sich, das gesamte Tauwerk zu kontrollieren und gegebenenfalls zu ersetzen. Starre Stellen, Ausfransungen oder Verfärbungen sind Warnsignale – hier ist Vorsicht geboten. Besser frühzeitig tauschen als im Notfall auf dem Wasser feststellen, dass das Tauwerk versagt.
Ein Tipp: Führe ein Tauwerk-Protokoll, in dem du Kaufdatum und ersteinsatz notierst. So behältst du den Überblick über den Zustand und kannst rechtzeitig reagieren.
Wann sollte Tauwerk ersetzt werden?
Als Faustregel gilt: Ein stark beanspruchtes Tauwerk (Fallen, Großschot) sollte nach 2-3 Saisons ersetzt werden. Weniger beanspruchtes Tauwerk hält auch 5-7 Jahre. Bei Unsicherheit lieber früher tauschen – die Investition lohnt sich für deine Sicherheit an Bord.
Achte auch auf die properen Durchläufe: Blocköl oder Teflon-Spray hält die Umlenkrollen geschmeidig und verhindert unnötigen Verschleiß am Tauwerk. Kontrolliere regelmäßig die Befestigungspunkte und Kauschen – hier liegt oft der Schwachpunkt.
Professionelle Hilfe
Bei größeren Reparaturen oder Unsicherheiten lohnt sich der Gang zu einer professionellen Segelerei. Die Experten können Tauwerk prüfen, Spleiße erneuern und beraten, welches Material für deinen Einsatzzweck am besten geeignet ist. Eine professionelle Wartung kostet zwar, spart aber langfristig Geld und erhöht die Sicherheit.