Pflege

Schiffsglocke und Bronze-Beschläge: Wie du sie richtig polierst

Platon ·
Schiffsglocke und Bronze-Beschläge: Wie du sie richtig polierst

Sal­ve und ei­ne hal­be Ta­ke­lung! Wer schon ein­mal bei al­ter See­gangs­ho­heit an ei­nem Mo­ring­da­vid ei­ne hand­ge­gos­se­ne Bron­ze­glo­cke aus dem An­fang des 20. Jahr­hun­derts ge­prüft hat, weiß: Die Din­ge spre­chen ei­ne rau­he Spra­che. Meist ist es ei­ne Kel­ler­fal­le, ei­ne Schiff­s­glo­cke, de­ren ich mich heu­te an­neh­me. Sie ist nicht nur ein To­ne auf See, sie ist ein Ver­spre­chen, ein Ver­spre­chen an die See­leu­te an Bord, im­mer ein si­che­res Hand­werks­zeug in der Hand zu hal­ten. Doch das rich­ti­ge Po­lie­ren von Bron­ze­be­schlä­gen und Schiff­s­glo­cken ist ei­ne Kunst, die nicht durch das An­wen­den von Ag­gres­siv­che­mie er­lernt wird, son­dern durch das Ver­ste­hen, was Bron­ze eigent­lich ist, was sie braucht und was sie nicht ver­trägt. In die­sem Blog­post zeig­te ich Dir, wie Du Dei­ne Schiff­s­glo­cke und an­de­re Bron­ze­be­schlä­ge wie ein Pro­fi pfleg­st — mit der Ru­he ei­nes al­ten See­bä­ren und den rich­ti­gen Tricks der Tra­di­ti­on.

Marine-Ink Illustration

War­um das Gan­ze? Bron­ze­be­schlä­ge sind nicht nur ein Stolz an Bord, son­dern le­bens­wich­tig. Ei­ne Schiff­s­glo­cke, die durch Kor­ro­si­on un­klar klingt, kann auf moo­ri­ger See den Un­ter­schied ma­chen, ob ein Kol­le­ge Dich über­hört oder nicht. Auch sind ge­pfleg­te Be­schlä­ge ein Zei­chen für See­män­ni­sche Sou­ve­rä­ni­tät — der ers­te Blick an Bord ver­ra­talles über den Zu­stand des Boo­tes. Wer sei­ne Bron­ze pfel­gen, hat zu­dem we­ni­ger Aus­tausch­kos­ten: Gu­te Schiff­s­glo­cken, Klamp­pen oder Püt­ting­se hal­ten Jahr­zehn­te, wenn man sie rich­tig be­han­delt.

Be­vor Du zum Po­lier­tuch greifst, soll­test Du die Grund­la­gen ken­nen. Bron­ze ist ei­ne Le­gie­rung aus Kup­fer und Zinn, heu­te oft mit et­was Zink und Blei. Sie bil­det an der Luft ei­ne schö­ne grü­ne Pa­ti­na, den soge­nann­ten Ede­rost. Die­se na­tür­li­che Schutz­schicht ist nicht im­mer er­wünscht. Auf Funk­ti­ons­tei­len wie der Schiff­s­glo­cke oder dem Kom­pass­be­schlag kann sie die Funk­ti­on ein­schrän­ken. Beim Po­lie­ren willst Du al­so den Ede­rost ent­fer­nen, aber nicht die Bron­ze angrei­fen. Hier kommt die gro­ße Kunst: Sa­be­res Ar­bei­ten mit we­nig Ag­gres­siv. Sau­be­re Tü­cher, ge­dul­di­ges Rei­ben und spe­zi­el­le Bron­ze­politu­ren sind Dein Freund. Was­ser­strahl und Che­mie­keu­len ver­ur­sa­chen Mi­kroschä­den, die nach kur­zer Wie­der­an­lauf­zeit wie­der matt aus­se­hen.

  • Klei­ne Schrau­ben­zie­her oder Zahn­arzt­werk­zeug für die Rit­zen
  • Mi­kro­fa­ser­tü­cher in un­ter­schied­li­chen Stär­ken (ei­ne weich, ei­ne et­was fes­ter)
  • Bron­ze­po­li­tur, idea­ler­wei­se auf Ba­sis von Ton­er­de oder Si­ge­lin­se, oh­ne Am­mo­niak
  • Nat­ri­um­kar­bo­nat (Soda) als Vor­rei­ni­ger bei star­ker Oxi­da­ti­on
  • Le­der oder Na­tur­bor­sten­bürs­tchen zum Auf­tra­gen und Nach­po­lie­ren
  • Fri­sches Was­ser und viel Ge­duld
  • Schutz­lack oder Klar­lack in Spray­form, wenn Du den Glanz er­hal­ten willst
  1. De­mon­tie­ren, wenn mög­lich. Bei der Schiff­s­glo­cke oder dem Klamp­me­nü­bel­be­schlag geht das oft. So er­reichst Du auch die un­ter­sei­ten und ver­mei­dest, dass Po­lier­mit­tel ins Holz oder in Dich­tun­gen läuft.
  2. Vor­rei­ni­gung. Zunächst mit war­mem Süß­was­ser und et­was neu­tra­ler See­fe ab­spü­len. Salz­rück­stän­de sind der größ­te Feind der Bron­ze. Trock­nen las­sen oder mit ei­nem sau­be­ren Tuch nach­rei­ben.
  3. Bei star­kem Ede­rost: Ei­ne Pas­te aus Na­tri­um­kar­bo­nat und Was­ser auf­tra­gen, zehn Minu­ten ein­wir­ken las­sen und mit ei­ner al­ten Zah­nürs­te be­hut­sam schrub­ben. An­schlie­ßend grund­lich ab­spü­len.
  4. Bron­ze­po­li­tur auf­tra­gen. Nie di­rekt aus der Fla­sche auf das Me­tall. Im­mer erst auf das Tuch ge­ben. Dann in krei­sen­den Be­we­gun­gen mit mä­ßi­gem Druck ar­bei­ten. Lie­ber öf­ter wie­der­ho­len als zu fest drü­cken.
  5. Schwer zu­gäng­li­che Stel­len mit dem Zahn­arzt­werk­zeug oder ei­nem Holz­stäb­chen nach­be­han­deln. In den Ril­len der Schiff­s­glo­cke setzt sich gern Oxi­da­ti­on fest.
  6. Nach­po­lie­ren. Mit ei­nem tro­cke­nen Mi­kro­fa­ser­tuch den Glanz raus­ho­len. Das ist der Schritt, der den Un­ter­schied zwi­schen „ge­rei­nigt“ und „strah­lend“ macht.
  7. Op­tio­na­le Ver­sie­ge­lung. Bei de­ko­ra­ti­ven Stü­cken, die nicht stän­dig be­nutzt wer­den, kannst Du ei­nen Klar­lack dünn auf­sprü­hen, um den Glanz für Mo­na­te zu hal­ten. Bei der Schiff­s­glo­cke emp­feh­le ich das nicht, da der Lack die Klang­qua­li­tät min­dert und beim nächs­ten Sturm ab­blät­tert.

Ei­ne der häu­figs­ten Fal­len ist da­bei der Ge­dan­ke: „Wen­des­ser, viel Che­mie, fer­tig.“ Ag­gres­si­ve Mit­tel wie Sal­mi­ak oder ei­ne hand­els­üb­li­che Mes­sing­politur kön­nen kurz­zei­tig glän­zen, aber die Bron­ze wird an­fäl­lig für neue Kor­ro­si­on. Auch das Po­lie­ren auf der Mo­ring­da­vid oh­ne Schutz­un­ter­la­ge zerk­ratzt die Ober­flä­che. Und: Po­lier­tü­cher im­mer gut aus­wa­schen. Die fei­nen Me­tall­par­ti­kel, die im Tuch blei­ben, sind wie­der feins­tes Scheu­er­mit­tel.

  • Wo­ch­ent­li­ch: Mit fri­schem Was­ser ab­spü­len und trock­nen, be­son­ders nach Salz­was­ser-Ein­sät­zen.
  • Mo­nat­lich: Sicht­kon­trol­le auf grü­ne Fle­cken oder Klang­prü­fung der Schiff­s­glo­cke.
  • Halb­jähr­lich: Grund­rei­ni­gung mit Bron­ze­politur, bes­ser im Früh­jahr und vor dem Ein­win­tern.
  • Jähr­lich: Funk­ti­ons­be­schlä­ge de­mon­tie­ren, Din­gen auf Dich­tun­gen und Schrau­ben prü­fen.

Ich sa­ge im­mer: Ei­ne gut ge­pfleg­te Schiff­s­glo­cke ist wie ein gu­ter Matro­se — sie küm­mert sich um sich selbst, wenn Du Dich gut um sie küm­merst. Mit de­sen Wor­ten wüns­che ich Dir im­mer ei­ne Hand­breit Was­ser un­ter dem Kiel und ei­nen Klang, der im Ha­fen ver­nom­men wer­den kann.

🛒 Passende Produkte auf Amazon

Empfehlungen passend zu diesem Artikel:

* Affiliate-Links — bei Kauf erhalten wir eine kleine Provision, der Preis bleibt für dich gleich.