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DasWant: Die unterschätzte Kunst der Wantenspannung

Platon ·

Wer mit dem Finger über ein Yacht-Want fährt und es singen hört, hat gerade mehr über den Zustand des Riggs erfahren als mancher Profi nach einer Stunde Arbeit. Wantenspannung ist keine Raketenwissenschaft — aber sie ist eine Disziplin. Und sie ist der Grund, warum manche Yachten bei 6 Bft noch souverän durch die Welle schneiden, während andere like ein nasser Sack durch die Gegend schlingern.

Maritime Illustration

Warum die Spannung mehr ist als ein Gefühl

Die meisten Segler kennen das Problem: Nach ein paar Tagen auf dem Wasser fühlt sich das Deck anders an. Die Gennaker lässt sich nicht mehr so sauber fahren, der Baum steht nicht mehr so, wie er soll. Die Wanten haben nachgegeben — und mit ihnen die Form des gesamten Riggprofils. Das ist kein optisches Problem. Es ist ein aerodynamisches.

Wenn das Vorstag nicht mehr die richtige Tension hat, verändert sich der Anstellwinkel des Segels. Die consequence: schlechterer Vortrieb, mehr Widerstand, mehr Krängung. Wer sparsam segeln will, sollte zuerst an die Wantenspannung denken — nicht an den Segeltrim.

Der Unterschied zwischen Wanten und Backstay

Das Lower shrouds (Unterwanten) und Upper shrouds (Oberwanten) haben verschiedene Jobs. Die Unterwanten nehmen die seitlichen Kräfte auf und stabilisieren den Mastfuß. Die Oberwanten begrenzen die Mastbiegung und halten den Mast in der Vertikalen. Das Backstay (Achterstag) kontrolliert die Biegung im oberen Mastbereich — und damit indirekt die Segelform.

Ein häufiger Fehler: Das Backstay zu stramm zu setzen und dann die Oberwanten zu lockern. Das führt dazu, dass der Mast im oberen Drittel überlastet wird. Die richtige Reihenfolge beim Trimmen: erst die Unterwanten, dann die Oberwanten, dann das Backstay — und immer mit Gefühl, nicht mit Kraft.

Praktische Tipps für unterwegs

Wenn keine offizielle Tension-Messung möglich ist, hilft der Ohr-Check: Fasse das Want an und zupfe — ein heller, singender Ton bedeutet hohe Spannung, ein dumpfer Ton eher niedrig. Für die meisten Yachten mit 9-11mm Wantdurchmesser gilt: wenn es sich anfühlt wie eine Gitarrensaite, ist es gut.

Für unterwegs: Ein Taljengriff oder eine 2:1-Umlenkung am Wanten-Spanner macht das Nachjustieren deutlich einfacher. Gerade auf längeren Törns, wo der Mast sich über Nacht setzt (durch Temperatureinflüsse und Lastwechsel), lohnt sich ein kurzer Check am Morgen.

Wann zum Fachmann

Wenn der Mast bei Böen mehr als 5cm aus der Mittellinie ausweicht, stimmt etwas nicht. Auch wenn Wanten sichtbare Korrosion zeigen oder gedrillte Drähte haben (das sieht man, wenn das Licht seitlich einfällt), sollte ein Rigger ran. Sicherheit geht vor Sparen.

Ein gut gespanntes Rigg ist die Grundlage für alles andere. Ohne ihn nützt das beste Segel nichts. Also: Ran an die Wanten — und hören, was sie zu sagen haben.

Die richtige Spannung — Soll und Ist

Die richtige Wantenspannung ist entscheidend für die Sicherheit und die Segeleigenschaften. Zu lose Wanten lassen den Mast zu viel arbeiten, zu straffe Wanten können den Mast beschädigen.

Die meisten Yachten haben eine Tabelle im Handbuch mit den Sollwerten für die Wantenspannung. Die Werte werden in Prozent der Bruchlast angegeben — typisch sind 15 bis 20 Prozent.

Die Messung mit dem Wantenspanner

Es gibt verschiedene Methoden, die Wantenspannung zu messen:

  • Hydraulischer Wantenspanner: Genaueste Methode, wird von Rigg-Firmen verwendet
  • Mechanischer Wantenspanner: Erschwinglich für den ambitionierten Segler, gute Genauigkeit
  • Die Lovell-Methode: Einfache Methode mit Maßband und Tabellen — circa 5 Prozent Genauigkeit

Für die meisten Segler reicht die Lovell-Methode oder ein günstiger mechanischer Wantenspanner. Wer auf Regatten segelt, sollte über den hydraulischen Spanner nachdenken.

Die richtige Reihenfolge

Beim Spannen der Wanten ist die Reihenfolge wichtig:

  1. Beide Vorbackstage gleichmäßig spannen
  2. Beide Achterstage gleichmäßig spannen
  3. Oberwanten (Backbord und Steuerbord) gleichmäßig spannen
  4. Unterwanten gleichmäßig spannen
  5. Kontrollieren und ggf. nachjustieren

Wer unsymmetrisch spannt, verspannt den Mast — das führt zu Rissen und Materialermüdung.

Zusätzliche Tipps aus der Praxis

Was im Alltag zusätzlich hilft: Eine kleine Checkliste vor jedem Törn durchgehen, mit Foto dokumentieren, im Logbuch notieren. So behältst du den Überblick über Wartungsarbeiten und Reparaturen — und kannst im Zweifel dem Versicherer oder der Werkstatt den Pflegezustand belegen.

Außerdem: Tausch von Verschleißteilen im Zweifel lieber früher als später. Wer zu lange wartet, riskiert Folgeschäden, die ein Vielfaches kosten.

Die Dokumentation

Führe ein kleines Logbuch — digital oder handschriftlich. Notiere Datum, was gemacht wurde, welche Teile getauscht wurden. So weißt du in der nächsten Saison genau, was zu tun ist.

Die richtige Vorbereitung

Eine gründliche Vorbereitung ist die halbe Miete. Was du brauchst: das richtige Werkzeug, das passende Material, und vor allem Zeit. Wer unter Zeitdruck arbeitet, macht Fehler — und Fehler bei der Wartung können teuer werden.

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