
Es gibt wenige Dinge, die ein Segler öfter tut als Anker zu werfen — und trotzdem geht es oft schief. Ketten verdrehen sich, der Anker fasst nicht, oder das Boot schleift nachts über den Grund. Dabei ist gute Ankertechnik keine Zauberei. Ein paar Grundregeln genügen.
Den richtigen Ankerplatz wählen
Bevor du die Kette über Bord wirfst, prüfe den Untergrund. Sand und Schlick sind ideal, Lehm und Grass funktionieren auch. Felsiger Grund ist problematisch — der Anker kann sich nicht eingraben und bei Kentergefahr kaum halten. In Seekarten findest du oft Angaben zur Tiefe und zum Untergrund, aber ein Blick mit dem Echolot schadet nie.
Achte auf den Fetch — die freie Wasserfläche, über die der Wind weht. Je größer der Fetch, desto höher die Wellenhöhe. Ein geschützter Ankerplatz mit wenig Wind ist Gold wert, selbst wenn er kleiner ist als ein exponierter Platz mit perfektem Wind.
Die Kettenlänge: Mehr ist mehr
In der Seefahrt gilt eine einfache Faustformel: Die Länge der Ketten sollte mindestens das Drei- bis Fünffache der Wassertiefe betragen. Bei drei Metern Wassertiefe brauchst du also mindestens neun, besser fünfzehn Meter Kette. Der Grund ist einfach — je flacher der Winkel, unter dem die Kette auf dem Grund aufliegt, desto weniger Kraft wirkt auf den Anker. Steht die Kette senkrecht, reißt sie bei Windböen den Anker heraus.
Viele skipper unterschätzen die Kettenlänge und wundern sich dann, warum der Anker nachts rutscht. Eine gute Kettenvorlage ist dein Puffer gegen alles, was der Wind dir entgegenwirft.
Anker setzen: Schritt für Schritt
Bei leichter Fahrt über Groundtackle nach vorn kommen und den Anker kontrolliert über den Bug ablassen. Nicht einfach fallen lassen — das verheddert die Kette und beschädigt den Anker. Sobald der Anker den Grund berührt, lasse langsam und gleichmäßig Kette nach, während das Boot langsam zurückgleitet. So richtet sich der Anker auf und gräbt sich ein.
Dann: Gegen den Wind oder die Strömung anfahren und dabei Kette geben. Beobachte den Echosounder — wenn die Tiefe konstant bleibt und das Boot nicht zurückpendelt, sitzt der Anker. Alternativ: Eine Dalbe, einen Baum oder ein festes Objekt anpeilen und prüfen, ob sich der Winkel ändert.
Die Fühlprobe: Der einfachste Test
Wenn du wissen willst, ob dein Anker hält, gehe nach achtern und lege die Hand an die Kettenvorlage. Spürst du rhythmisches Rucken, hat sich der Anker gesetzt. Deutliches Vibrieren bei seitlichem Zug bedeutet, dass er noch nicht gegriffen hat. In diesem Fall: Mehr Kette geben oder die Position ändern.
Kettenpflege: Rost ist der Feind
Eine Kette, die rostet, verliert an Festigkeit. Das ist keine Theorie — Kettenglieder können unter Last brechen, wenn Korrosion sie geschwächt hat. Regelmäßiges Abbürsten und Ölen der Kette gehört zur Pflicht eines jeden Skippers. Nach einer Saison in Salzwasser lohnt sich ein gründlicher Check: Jedes Glied auf Risse und Korrosion prüfen, beschädigte Glieder austauschen.
Ein Kettenschloss (Gelenkverbindung zwischen Ankerkette und Anker) erleichtert das Wechseln und ermöglicht es, bei Verlust der Kette den Anker zurückzubekommen. Ohne Schloss hast du bei einer verhakten Kette ein ernsthaftes Problem.
Schwojen: Wenn der Anker drehen muss
Bei wechselndem Wind kann ein Boot über seinen Anker schwojen — den Kreis ziehen, den die Strömung oder der gedrehte Wind vorgibt. Das ist normal und kein Problem, solange die Kette lang genug ist. Wenn der Wind aber stark dreht und das Boot in flacheres Wasser schwojt, wird es kritisch. Dann hilft nur rechtzeitiges Aufschießen oder die Position ändern.
Fazit
Anker werfen ist Handwerk, kein Glück. Wer die Grundlagen beherrscht — richtige Kettenlänge, passender Untergrund, sichere Fühlprobe — liegt ruhig, auch wenn der Wind nachts auffrischt. Das Boot bleibt, wo es soll, und du kannst entspannt schlafen.