Fast jeder Bootsführer kann irgendwo festmachen. Aber korrekt ankern? Das ist eine Kunst für sich. Schief gegangene Ankerlegen enden nicht selten mit Schäden an Bug, Rumpf oder — schlimmer — an einem anderen Boot. Hier comes the truth: Ankern ist mehr als einfach den Haken runterlassen.
Die Wahl des Ankerplatzes
Bevor du den Anker wirfst, solltest du dir drei Fragen stellen: Wie ist der Untergrund? Wie tief ist das Wasser? Und wie steht der Wind?
Sandiger Grund ist ideal — Lehm und Schlick halten den Anker weniger zuverlässig. Fels ist tricky, weil der Anker sich nicht eingraben kann. Seegras? Lieber nicht, darin versinkt selbst der beste Anker.
Die Faustformel für die Kettenlänge: 3x die Wassertiefe bei ruhigem Wetter, 5x bei windig. In deutschen Gewässern mit häufig wechselndem Wind eher mehr als weniger. Lieber eine Rolle mehr Ketten als eine zu wenig.
Die richtige Technik
Gehe gegen den Wind an, stoppe das Boot über der gewünschten Stelle und lasse dann die Kette kontrolliert ab — idealerweise in einem Bogen, damit sie sich später nicht verknotet. Sobald der Anker den Grund berührt, gehe langsam zurück und prüfe, ob der Anker greift: Das Ding rutscht bei Zug nach vorne und gräbt sich ein.
Der sogenannte „Tripod-Test“: Lege Rückwärtsgang ein und prüfe, ob das Boot beim Zug auf der Kette nach maximal einem Bootslängen kreuzt. Kreuzt es mehr, ist der Anker nicht sicher — aufieren und neu versuchen.
Kettennacher: Dein bester Freund
Ein Kettennacher (Chain snubber) nimmt den Zug von der Ankerkette und verteilt ihn auf die Genuawinsch. Ohne Nacher schlägt die Kette bei Welle auf das Deck — und nervt dabei ordentlich. Ein einfaches Spleiß aus der Pflicht, ein paar Umdrehungen um die Kette, und der Spuk hat ein Ende. Außerdem reduziert er Vibrationen und schont die Ankerwinsch.
Windtänze und Kettenmanagement
In deutschen Gewässern dreht der Wind gern — besonders abends. Dann kann es passieren, dass dein Boot plötzlich aus einer anderen Richtung an der Kette zieht. Hier hilft nur eins: Kettenfender (oder ein alter Gummischlauch) an der Kette, um Scheuerstellen am Rumpf zu verhindern.
Und noch ein Tipp: Halte immer einen zweiten Anker griffbereit. Wenn der Wind auf Nord dreht und du am Südende des Hafens liegst, wird es eng — es sei denn, du hast einen Zweitanker als Heckanker gesetzt.
Fazit
Ankern ist keine Nebensache. Es ist einer der Kernkompetenzen auf dem Wasser. Wer seinen Anker kennt, seine Kette richtig managt und den Platz mit Bedacht wählt, schläft besser — auch nachts. Denn nichts ist schlimmer als um drei Uhr morgens festzustellen, dass das Boot nach Lee treibt.