Ein Mann-über-Bord-Szenario zählt zu den gefährlichsten Notfällen auf dem Wasser. Statistiken zeigen, dass die meisten Unfälle innerhalb der ersten 60 Sekunden entschieden werden – deshalb ist schnelles und koordiniertes Handeln lebenswichtig. Mit dem richtigen Training kannst du in kritischen Momenten Sekunden sparen, die über Leben und Tod entscheiden.
Die drei Phasen des MOB-Notfalls:
- Phase 1 – Sofortreaktion (0-30 Sekunden): Person über Bord! Sofort den Crew-Kollegen laut und deutlich warnen. Den高点 (GPS-Markierung) auf dem Plotter oder per Hand-GPS setzen – das ist der wichtigste Handgriff überhaupt.parallel dazu den Rettungsring oder eine Wurfleine in Richtung der verunglückten Person werfen.
- Phase 2 – Rückkehr zum Einsatzort: Den Motor starten und kontrolliert wenden. Hier gilt: Nicht blind zurückfahren, sondern den Sichtkontakt zur Person halten. Bei Segelbooten den Motor einsetzen – Segel zu reffen kostet zu viel Zeit.
- Phase 3 – Bergung: Langsam an die Person heranfahren, idealerweise mit dem Bug gegen den Wind. Die Person greift den Rettungssteg oder die Badeleiter. Niemals versuchen, eine bewusstlose Person allein zu bergen – das führt zu double fatality.
Praktische Trainingsübungen für unterwegs:
Plane mindestens einmal pro Ausfahrt ein kurzes MOB-Training ein. Simuliere einen Notfall mit einemdummy oder einem leichten Gegenstand, der über Bord geworfen wird. Wichtig: Behandle jede Übung wie einen echten Ernstfall. Stoppe die Zeit und analysiere anschließend, wo du Sekunden verloren hast.
Folgende Handgriffe solltest du mit deiner Crew einstudieren:
- GPS-Markierung setzen: Übe, bis jederCrew-Mitglied den MOB-Button am Plotter oder die Funktion am Hand-GPS blind bedienen kann.
- Rettungsmittel werfen: Trainiere zielgenaues Werfen mit Rettungsring und Wurfleine. Die Leine sollte mindestens 30 Meter lang sein.
- Motorhandling: Wende in verschiedenen Situationen – mit und ohne Wind, bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Ein kontrollierter Stopp neben der verunglückten Person will gelernt sein.
- Kommunikation: Klare, kurze Kommandos verhindern Chaos. Definiert vorher, wer was übernimmt: einer steuert, einer wirft Rettungsmittel, einer bereitet die Bergung vor.
Ausrüstung, die Leben rettet:
Überprüfe regelmäßig deine Sicherheitsausrüstung. Ein funktionierender Rettungsring mit Wurfleine gehört an jeder Reling. Rettungswesten für alleCrew-Mitglieder sollten vorhanden und angelegt sein – besonders bei rauer See oder Nachtfahrten. Ein MOB-Licht (automatisches Licht, das bei Wasserkontakt blinkt) am Rettungsring ist günstig und extrem hilfreich. Auch eine lange Bergungsleine mit Schwimmkörpern hat sich bewährt, um die verunglückte Person auf Distanz zu halten, bis das Boot maneuveriert werden kann.
Mentaltraining nicht vergessen:
Neben dem physischen Training hilft es, verschiedene Szenarien durchzuspielen. Was tun, wenn die Person bewusstlos ist? Wie verhältst du dich bei Nacht oder starkem Seegang? Je realistischer du trainierst, desto ruhiger bleibst du im Ernstfall. Viele Segelclubs bieten spezielle MOB-Kurse an – nutze diese Gelegenheiten.
Zusammenfassend: Übung macht den Meister. Regelmäßiges Training mit klaren Abläufen und gut ausgerüsteten Booten gibt dir und deiner Crew die Sicherheit, im Ernstfall richtig zu handeln. Einmal geübt, bleiben die Handgriffe in Erinnerung – und können tatsächlich Leben retten.
Hast du Fragen oder eigene Erfahrungen? Schreib sie gerne in die Kommentare!